Definition:
Eine Bildagentur ist ein Unternehmen, das Bildmaterial (Fotografien color oder s/w, Illustrationen), teilweise auch Filme oder Musiktitel vermarktet. Zu den Kunden zählen vor allem Redaktionen von Print-, TV- und Online-Medien sowie Werbeagenturen.
Allgemeines:
Neben den Fotografengenossenschaften, in denen sich Fotografen zusammenschließen, um eine bessere Kontrolle über ihr Bildmaterial zu haben und den Gewinn unter sich zu teilen, gibt es rein gewerbliche Bildarchive/Fotoagenturen. Sie vermarkten das von von freien professionellen bzw. semiprofessionellen Fotografen, Illustratoren und Grafikdesignern überlassene Material gegen eine prozentuale Beteiligung an Bildnutzer. Teilweise wird auch eigenes Material mit angestellten oder freien Fotografen produziert.
Man unterscheidet 3 Agenturtypen:
1. Universalagenturen; sie vermarkten Bildrechte aus den unterschiedlichsten Bereichen (Kunst, Unterhaltung, Partnerschaft …)
2. Pressebildagenturen; sie bieten ausschließlich Pressefotos an
3. Spezialbildagenturen; sie sind thematisch ausgerichtet (Essen & Trinken, Tierwelt, Medizin usw.)
Die größten beiden Bildagenturen der Welt mit jeweils rund 70 Mio. digitalisierten Bildern sind Getty Images (von Mark Getty gegründet, heute ein börsennotiertes Unternehmen) und Corbis (Eigentümer: Bill Gates). Diese haben in den vergangenen Jahr(zehnt)en viele mittelständische Agenturen geschluckt. Durch das Zeitalter der Digitalisierung konnten jedoch auch viele kleine Agenturen Fuß fassen, die von Anfang an ihr Bildmaterial digital angeboten haben. So entwickelten sich neben den klassischen Bildarchiven die sog. Microstockagenturen (auch SMRP: Stockphoto Micropayment Royalty Free Portale genannt). Sie bieten Bilder ab 1 € an. Diese werden von Hobbyfotografen zur Verfügung gestellt, die anschließend am Erlös beteiligt werden. Bestes Beispiel dafür: http://de.fotolia.com Dazwischen gibt es Midstockagenturen. Sie zeichnen sich ebenfalls durch günstige Preise aus, bieten andererseits aber einen vollwertigen Agenturservice an.
Von der Bildsuche bis zum Download:
Im Gegensatz zu früher, als man ein gewünschtes Motiv bei einer Bildagentur angefragt und anschließend eine Dia-Auswahl zugesendet bekommen hat, kann man heute ganz bequem im Online-Angebot der Bildagenturen stöbern und mittels einer umfangreichen Suche die Ergebnisse eingrenzen (im Anschaubereich sind alle Pics vor Missbrauch mit Wasserzeichen versehen), Bilder kaufen und downloaden. Zur besseren Übersicht besteht die Möglichkeit, favorisierte Motive in sog. “Leuchtkästen” abzulegen. Diese kann man selbst im Kundenbereich anlegen und verwalten. Ein Honorar-Rechner beim Bild zeigt einem schnell die Kosten an. Nach dem “Kauf” (in der Regel mit Kreditkarte, per ELV oder auf Rechnung) findet man die Bilder zum Download freigeschaltet vor. Und sollte mal ein gewünschtes Motiv nicht auffindbar sein, reicht oftmals ein Anruf beim Kundenberater. Dieser stellt einem eine Auswahl im Kundenbereich zusammen oder sendet sie per Email oder CD an einen raus.
Nutzungsrechte & Honorare:
Grundsätzlich unterscheidet man zwischen 3 Arten von Bildmotiven:
1. Rights managed/RM (Lizenzpflichtig)
Pro Verwendung wird eine von Art und Umfang abhängige Nutzungs- und Lizenzgebühr erhoben. Diese richtet sich nach dem jeweiligen Verwendungszweck (z.B. Werbung in einer Zeitschrift, Website-Nutzung) und verschiedener Kritierien. Dazu zählen:
- die geografische Verbreitung (Region/Länder, in der das Bild verbreitet wird; bei einer Website der Standort der primären Zielgruppe)
- die Sprache (welche Sprache/n, in denen der bildbegleitende Text veröffentlicht wird)
- die Druckauflage bei Büchern/Broschüren; die Auflage bei Zeitschriften/Zeitungen
- die Platzierung (wird das Motiv z.B. auf dem Titel, Rück- oder Innenseite verwendet)
- die Bildgröße (wie groß wird das Bild erscheinen, 1/1, ½ , ¼ etc. der Seite)
- die Verwendungsdauer (Startdatum der Bildnutzung und die Dauer der Verbreitung)
Lizenzpfichtige sind meist hochwertiger, aktueller und somit auch teurer. An vielen Motiven können sogar Exklusivrechte erworben werden.
2. Royalty Free/RF (Lizenzfrei)
Das Bild wird einmalig erworben (lizenziert) und kann im Normalfall unbegrenzt oft, zeitlich unbegrenzt und in verschiedenen Medien/Branchen verwendet werden. Lizenzfreie Motiv werden oft als Einzelbilder oder in einer Serie auf CD verkauft (hier erhält man das Motiv oft auch in verschiedenen Auflösungen). Der Preis richtet sich nach Auflösung und der Anzahl der Personen, die zu ihrer Verwendung berechnet sich, nicht aber nach dem spezifischen Verwendungszweck. Es müssen keine zusätzlichen Gebühren auf Gebrauchsbasis bezahlt werden.
3. Rights ready/RR
Ein relativ neues Preismodell, das zwischen RM und RF angesiedelt ist. Diese Motive können für einen spezifischen Zweck, das Projekt und den Endkunden verwendet werden, die zum Lizenzierungszeitpunkt angegeben wurden. Das Honorar richtet sich ausschließlich nach der angegebenen Verwendungskategorie. Es fallen keine zusätzlichen Lizenzgebühren für die Wiederverwendung an, sofern Verwendungszweck, Projekt und Endkunde sich nicht geändert haben. Somit erspart man sich Zeit und Geld für die Nachlizensierung.
Daneben bieten viele Agenturen sog. Abodienste an, bei denen man sich innerhalb eines bestimmten Zeitraums (Tag, Monat, Quartal) eine Anzahl X von Bildern aus der Datenbank herunterladen und verwenden kann. Gegen eine geringe Gebühr kann man zudem Bilder für Layout/Dummy-Zwecke nutzen.
In der Regel sind sowohl beim lizenzpflichtigen als auch beim lizenzfreien Bildmaterial sämtliche Rechte geklärt, so dass die Bilder in jedem Kontext und zu jedem Zweck (insbesondere Werbung) verwendet werden dürfen. Sofern Personen auf den Bildern sichtbar sind, liegt dann ein gezeichnetes Model Release vor, das prospektive Lizenznehmer von nachträglichen Anspruchsforderungen der abgebildeten Personen freistellt. Für Orte und Objekte, an denen Dritte Rechte haben, gilt dies in der Regel nicht. Allerdings gibt es auch hier Einschränkungen z.B. Eiffelturm bei Nacht. Im Gegensatz zu Personen auf Bildern im kreativen, werblichen Kontext sind Model Releases im redaktionellen Bereich unüblich. Die durch presserechtlichen Grundsätze geregelten Möglichkeiten, Personen ohne explizite Genehmigung im redaktionellen Kontext abzubilden, setzen im Normalfall keine Model Releases voraus.
Empfehlungen zum Schluss:
- Fotos zum aktuellen Tagesgeschehen liefern in der Regel Nachrichtenagenturen. In Deutschland ist die größte Agentur die DPA (Deutsche Presse Agentur). Sie steht im Wettbewerb mit der DDP (Deutscher Depeschendienst) und den deutschen Ablegern ausländischer Nachrichtenagenturen wie z.B. AFP (Agence France Presse) oder Reuters (London).
- Für alle Celeb-Fans lohnt sich der Besuch von http://www.splashnews.com - der größten US-Agentur für Stars & Klatsch. Hier gibt es auch die oftmals umstrittenen Paparazzi-Fotos.
- Wer lediglich nach “schönen” Fotos für Webseiten sucht, wird unter http://www.photos.com oder http://www.adpic.de für wenig Geld fündig.